| JÜRGENLANG |
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VOM PHOTON ZUM PIXEL:
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Die Wahrnehmung des Augenblicks. Eine Frage der Aufmerksamkeit. Etwas fällt ins Auge und für einen kurzen Moment ist da dieses Innehalten. Zunächst existiert das Motiv als mögliches Bild im Kopf. Doch warum diese Perspektive? Warum dieser Blickwinkel? Gibt es einen besseren Standort? Was passiert im Hintergrund? Hier wird reagiert, dort arrangiert. Jede Entscheidung für ein Motiv ist zugleich eine Entscheidung gegen ein anderes. Sie ist Auswahl, Festlegung, Konzentration, Verdichtung. |
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Lichtmessung. Lichtaufzeichnung. Mit dem Öffnen des Verschlusses der Blende gelangen Photonen durch das Runde auf das Eckige und übertragen ihre Energie. In der analogen Fotografie treffen sie auf Kristalle des Negativfilms und lösen Elektronen im Kristallgitter. Silberionen reduzieren zu metallischem Silber. Erst entsteht ein unsichtbares und chemisch verstärkt durch eine irreversible Veränderung des Materials das sichtbare Bild. In der digitalen Fotografie treffen die Photonen auf das Silizium des Kamerasensors und erzeugen Elektron-Loch-Paare durch lichtelektrische Effekte. Dabei freigesetzte Elektronen werden gesammelt, die gesammelten Elektronenladungen in messbare Spannung umgewandelt, ausgelesen und als Pixel digitalisiert. |
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Photonen. Die kleinste Einheit, aus der das Licht besteht. Elementarteilchen der elektromagnetischen Strahlung. Dass ein Photon von der Sonne oder einem Blitz oder Feuer oder glühender Lava oder einer Lampe kommend Teilchen und Welle zugleich ist, aber keine Masse und keine elektrische Ladung hat, nicht in Ruhe existiert und sich im Vakuum immer mit 299.792.458 Metern pro Sekunde und in unserer Atmosphäre kaum langsamer bewegt und somit [quasi] keine Zeit erlebt, mag insbesondere für Physiker faszinierend sein, interessiert beim Fotografieren in Bezug auf seine Ankunftszeit am Objektiv aber nur mäßig, bezogen auf seine Intensität dafür umso mehr. |
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Das hängt damit zusammen, dass ein Fotograf in Lichtführung und -wirkung denken muss, da nicht das Licht an sich aufgenommen wird, sondern dessen Effekt auf das Objekt einer Szene. Lichtwirkung heißt vor allem Helligkeit und die ergibt sich aus der Leuchtkraft der Lichtquelle multipliziert mit dem den Anteil der reflektierten [Sternen]Strahlung nicht selbst leuchtender Oberflächen beschreibenden Albedo[effekt] dividiert durch die gemäß Abstandsgesetz mit dem Quadrat der Entfernung abnehmenden Intensität des sich kugelförmig ausbreitenden Lichtes. Zudem einzuberechnen sind die Belichtungszeit, die Fläche der Blendenöffnung sowie die Einstellung der Lichtempfindlichkeit des Sensors. |
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Für Fotografen ist Helligkeit freilich keine Berechnung, zumal sie kaum jemand vor einer Aufnahme berechnen wollte oder könnte. Hell und dunkel sind wahrnehmbare Zustände oder Eigenschaften, die für die Belichtung eines Fotos berücksichtigt werden müssen. Blendenöffnung, Verschlusszeit, ISO, Belichtungskorrektur mit und ohne dynamic range. Für das Foto ist Helligkeit die Anzahl gesammelter Photonen
Bildhelligkeit ∝ (Lichtstärke der Quelle × Albedoeffekt)/Abstand² × Belichtungszeit/Blendenzahl² × ISO
und zu wenig gesammelte Photonen bedingen stets, dass der Fotograf einen Kompromiss zwischen Detail-, Schärfe- und Farbverlust und Rauschen suchen und eingehen muss. |
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Der [Ein]Sammler der Photonen ist heute meist digital. Ein Sensor. Er misst und erfasst Licht, wandelt Photonen in elektrische Signale, speichert Differenzen in Helligkeit und Farbe. Da ein Pixel in der Praxis mehr braucht als ein einzelnes Photon, um ein verwertbares Signal zu erzeugen, ist in puncto Licht mehr erst einmal besser. Größere Sensoren sammeln mehr Licht, erlauben feinere Tonwertabstufungen und bieten Reserven bei Schatten und Lichtern. 44 mal 33 Millimeter bei Mittelformat ist lichtstärker weil größer als 36 mal 24 Millimeter bei Vollformat ist lichtstärker weil größer als 23,6 mal 15,8 Millimeter bei APS-C ist lichtstärker weil größer als 17,3 mal 13 Millimeter bei Micro Four Thirds. Das ist Physik. Das ist real. |
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Doch die Reserven der größeren Sensoren sind Potenzial, keine Gestaltung. Wir sprechen obsessiv über irgendwelche Sensorgrößen, als läge dort das Geheimnis guter, starker Fotos. Millimeter werden zu Glaubensfragen, Flächenvergleiche zu Weltanschauungen. Mindestens ein Vollformatsensor, besser gleich Mittelformat. 26 Megapixel sollten es sein für Speed- & Low-Light-Shots, 33 für Allrounderaufnahmen oder 42 für Fotos mit High-End-Details. Das klingt gut und wird speziell von so manch influencenden socialmediakanalbetreibenden Erinnerungsfotomachenden als der ultimativ unabdingbaren Weisheit letzter Schluss für gelungene Fotos gepredigt ist nur leider totaler Humbug. |
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Denn wer den Weg vom Auslösen bis zum fertigen Foto ganz nüchtern betrachtet, muss ernüchternd feststellen: Ein größerer Sensor macht keine Perspektive interessanter. Er verändert nicht die Art, wie Linien in den Raum greifen oder wie Schatten fallen. Er entscheidet nicht, wie sich Schärfe in Unschärfe auflöst. Der Sensor bestimmt zwar die Möglichkeiten, aber er reagiert nur. Das, was das Foto gestaltet, ist das Objektiv.
Objektive sind nicht einfach nur eine Durchreiche für Photonen. Sie sind Interpreten. Die Brennweite bestimmt den Bildausschnitt und das Verhältnis von Nähe und Distanz. Ein 35-Millimeter-Objektiv erzählt bei gleichem Motiv eine Geschichte anders als ein 135-Millimeter-Objektiv. Perspektive ist kein Sensorphänomen. Sie entsteht durch Standpunkt und Brennweite. Weitwinkel dehnt, Tele staucht und verdichtet. Festbrennweite oder Zoomobjektiv? Eine klassische Es-kommt-darauf-an-Frage. Was wird fotografiert? Wie wird fotografiert? Beides hat Vor- und Nachteile. Festbrennweite ist Zoom mit den Füßen? Das funktioniert vielleicht für den Bildausschnitt, aber nicht für die Perspektive.
Das optische Objektivdesign formt Übergänge. Mikrokontrast entscheidet über plastische oder flache Wirkung. Die Art des Bokehs beeinflusst, wie sich ein Motiv vom Hintergrund löst. Die Offenblende separiert das Hauptmotiv, das Schließen setzt es in Beziehung zur (weiter entfernten) Umgebung. Randschärfe, Verzeichnung, chromatische Aberration: All das sind keine digitalen Artefakte, das ist Glasphysik. Mit ihr ist die Grundcharakteristik des Fotos gesetzt, bevor der Kamerasensor überhaupt ins Spiel kommt. |
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Ja, ein Mittelformatsensor liefert feinere Tonwerte als ein Vollformatsensor. Und Vollformat hat auch Detailvorteile gegenüber APS-C. Doch wenn das Objektiv weichzeichnet, unruhige Hintergründe produziert oder flachen Mikrokontrast liefert, nützt zusätzliche Fläche wenig. Umgekehrt kann ein exzellentes Objektiv an einem kleineren Sensor eine Bildwirkung erzeugen, die größer wirkt, als es die Spezifikation vermuten lässt. Sauberer Mikrokontrast, kontrollierte Schärfeebene, harmonische Unschärfestruktur, stabile Detailzeichnung bis in die Ränder. All das ist primär optisch bedingt. Das Objektiv bestimmt das Foto. |
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Warum aber wirkt die Sensorgröße oft so entscheidend? Weil sie messbar ist. Weil sie sich in Zahlen ausdrücken lässt. Weil es sich in Marketing und Werbung einfacher mit vergleichbaren Größen in Millimetern argumentieren lässt. Das Mehr wird zum generellen Besser erklärt. 1452 Quadratmillimeter bei Mittelformat. 864 Quadratmillimeter bei Vollformat. 372,88 Quadratmillimeter bei APS-C. 224,9 Quadratmillimeter bei Micro Four Thirds. Simple Mathematik. Simple Fakten. |
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Ein Objektiv hingegen entzieht sich einer solch einfachen Quantifizierung. Objektive sind meist nicht neutral. Zwei 50-Millimeter-Objektive mit einer identischen Lichtstärke können völlig anders zeichnen. Kontrast. Farbwiedergabe. Schärfeverlauf. Die Unterschiede liegen im Übergang, im Verhalten gegen Licht, im Rhythmus der Unschärfe. Das sind keine Tabellenwerte, das sind visuelle Erfahrungen. Quasi der Charakter. Freilich spielt die Sensorgröße beim Fotografieren eine wichtige Rolle. Sie erweitert oder begrenzt Spielräume, ist aber selten das prägende Element und ersetzt insbesondere nicht die optische Handschrift. Wenn die Sensorgröße das [fotografische] Leben erleichtert, bestimmt das Objektiv, wie lebendig die Fotos sind. |
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Zur Handschrift eines jeden Fotografen gehört, dass zwischen dem Moment des Festhaltens des Augenblicks und dem Betrachten des Fotos ein technischer Prozess sowie eine Kette von Entscheidungen darüber liegen, wo Verantwortung stattfindet. Wer in heutigen Zeiten der [preislichen] Massentauglichkeit der Kameras und Kameraintegration in Smartphones überhaupt noch Fotograf ist, hat die socialmediamediale Bilderflut begrifflich verwässert, da praktisch jeder heute fotografieren und Fotos dank Internet veröffentlichen kann.
Die Auswahl der Kamera ist nicht [mehr] so wichtig, wie viele denken, „die beste Kamera ist stets die, die du dabei hast”, heißt es. Allerdings ist es erstens ohne Vorhandensein von entsprechender Technik nicht möglich, die Kontrolle über das Ergebnis zu haben oder Effekte gezielt zu erzeugen und zweitens ohne Beherrschen der vorhandenen Technik nicht möglich, die Kontrolle über das Ergebnis zu haben oder Effekte gezielt zu erzeugen. Um Fotograf zu sein, bedarf es nach wie vor mehr, als im glücklichzufälligen Moment den Auslöser zu drücken. Visuelles Verständnis Bewusstsein für Augenblich und Situation. Wiederholbarkeit. Gestalterische Entscheidungen. |
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Längst daran gewöhnt haben wir uns in der digitalen Fotografie, dass Fotos meist in Etappen entstehen. Der Sensor sammelt die Daten, die raw-Datei speichert die Möglichkeiten, der Konverter interpretiert, der Fotograf justiert mittels Software, das Präsentationsmedium übersetzt. Das Foto ist zunächst ein Versprechen des Fotografen: Das war der Augenblick. So ist es gewesen. Das ist geschehen. |
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Aber erst in der Präsentation wird das Versprechen eingelöst. Oder auch nicht. Denn ebenso haben wir uns längst daran gewöhnt, dass Fotos bearbeitet werden. Im raw-Workflow sind die Reserven des Kamerasensors das form-, dehn- und zurückholbare Rohmaterial. Mit der Nachbearbeitung verändert sich das, was die Photonen physikalisch auf den Sensor brachten. Eine Interpretation der Wirklichkeit. Das Histogramm ist Verhandlungssache. Man darf an die Grenzen gehen, Lichter riskieren, Schatten anheben, Farben anpassen. Später wird hier ein [unschönes] Objekt verschoben oder gelöscht, dort der [unschöne] Hintergrund ausgetauscht. Je stärker ein Foto bearbeitet wird, desto weiter entfernt es sich von der Wirklichkeit bis zu dem Punkt, der so nie gewesen oder geschehen ist. Das Foto ist kein Dokument mehr, sondern Konstruktion.
Doch je stärker Bilder automatisiert generiert oder Fotos synthetisiert werden, desto größer scheinen Streben und Wunsch nach spürbar menschlicher Fotografie. Die Renaissance der analogen Fotografie ist ein Gegentrend, in der digitalen das Betonen echter Momente und bewusster Prozesse ein anderer. Kompositions- und andere Fotofehler werden akzeptiert oder sogar gezielt einsetzt, Fotos höchstens dezent angepasst, keinesfalls manipuliert. Eine ehrliche Darstellung von Licht, Stimmung und Realität. Authentic Photography. |
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Oder nur Fotos out of cam[era]. Alles, was das Foto ausmacht, entsteht unmittelbar beim Fotografieren mit den Einstellungen der Kamera. Das Foto zeigt, was der Sensor erfasst hat und ist nicht nur Versprechen – sondern Festlegung. Die Reserven des Sensors sind stille Versicherung. Sie retten nichts mehr – sie sorgen dafür, dass nichts gerettet werden muss. Out of Cam vertraut auf Präzision im Moment. Die Belichtung ist Ethik. Was ausgefressen ist, bleibt ausgefressen. Was absäuft, bleibt dunkel. Weißabgleich ist keine Option, sondern Entscheidung. Kontrast ist keine Stilfrage, sondern eine Frage der Motivwahl.
Dass künstliche Intelligenz auch in den Prozess des Fotografierens Einzug hält, war nur eine Frage der Zeit, da es wohl keine neue Kamera ohne Chipsatz mit machine learning geben dürfte, auch wenn nicht immer KI oder AI oder ähnliches draufsteht. Autofokusassistenz. Motiverkennung. Motivverfolgung. Farb- und Lichtstimmung. Rauschunterdrückung. Sämtliche Einstellungen auf Automatik und Dauerfeuer mit zig Serienbildern? Ergibt erstaunlich viele gute Fotos, macht allerdings wenig bis gar keinen Spaß. Situatives Einsetzen KI-naher Verfahren als Vorschlaggeber oder Assistenzsystem? Mehr Spielraum, weniger Ausschuss. |
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Die Wahrnehmung des Augenblicks. Eine Frage der Aufmerksamkeit. Etwas fällt ins Auge und für einen kurzen Moment ist da dieses Innehalten. Irgendwo hat jemand entschieden, dass ein bestimmter Moment, ein Ort, ein Gegenstand, ein Gesicht oder ein Gefühl festgehalten werden soll. Es ist die Idee eines Fotografen für ein Foto. Das menschliche Moment mit Intuition, situativem Verständnis und Empathie ist Vermittler zwischen Sichtbarem und Gemeintem, zwischen Realität und Interpretation. |
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Ein Foto zeigt nicht einfach die Welt. Ein Foto zeigt, das ein Augenblick wirklich existiert hat. Ein Foto zeigt aber auch nur, wie jemand entschieden hat, diesen Augenblick zu zeigen. Wie jemand die Welt sieht. Und jede Entscheidung verändert die Wirklichkeit. Die Kamera lügt nicht. Sie zeigt das, was vor ihr war. Aber sie verschweigt fast alles andere. Daher ist ein Foto nie eine neutrale Kopie der Realität. Ein Foto ist immer eine Interpretation. |
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Im Akt des Betrachtens wirkt das Foto – oder eben nicht. Der Fotograf steckt seine Idee, seine Wahrnehmung und seinen Moment in das Foto. Spontan festgehalten sind Fotos, bei denen auf [den] einen unerwarteten oder vorhergesehenen Moment reagiert wird. Regelmäßig unveränderlich ist die Szenerie, der Schlüssel die Beobachtung: Noch bevor das Foto entsteht, ist seine Wirkung angelegt. Spontaneität ist die Fähigkeit, den Augenblick zu erkennen und festzuhalten. Konzeptuell gezielt entworfen sind Fotos, bei denen Motiv, Licht, Szene und Kontext Teile einer vorgängigen Idee sind. Die Vorbereitung vertieft, was Klarheit erhält und was Andeutung bleibt. Ort und Zeit werden ausgesucht, das Licht wird beobachtet, das Wetter so weit möglich vorhergesagt und alles in allem der Zufall auf ein Minimum reduziert.
Der Betrachter sieht nur das fertige Ergebnis. Doch er ist nicht neutral, weil das menschliche Gehirn Sinneseindrücke nicht neutral verarbeitet. Vorwissen füllt Wissenslücken. Der Betrachter kennt die Situation des Fotografierens nicht. Nicht die Suche nach dem Motiv, die verworfenen Fotos, die Entscheidungen im Hintergrund oder die Zusammenhänge. Stattdessen beeinflussen Stereotype die Interpreation und verzerren Erwartungen die Wahrnehmung. Unbewusst vergleicht der Betrachter das Foto mit allem, was er schon gesehen hat. Oft erschließt sich die Aussage im Foto erst nach und nach, wenn Details bewusst wahrgenommen werden. Bildaufbau. Licht. Perspektive. Symbolik. |
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Die Zeitspanne für eine erste Einordnung eines Fotos als beeindruckend oder interessant oder beliebig oder banal ist jedoch kurz. Erschreckend kurz: Länger als zwei Sekunden werden in der Regel nur die Fotos angeschaut, die in diesen ersten beiden Sekunden in der Perspektive, im Licht oder in der Stimmung etwas auslösen. Eine endgültige Meinung entsteht [vielleicht] später oder [auch] nie. |
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Zur Bewertung bei tragen das Medium der Veröffentlichung und der Kontext zur Veröffentlichung. Beides bestimmt Bedeutung und Maßstab mit, nach dem ein Foto betrachtet und bewertet wird:
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Es ist kein Einfaches, ein Foto gleichzeitig als visuelles Objekt mit einer Absicht der Aussage oder Träger einer Wirkung sowie als medienspezifisch dynamisches Produkt eines lediglich in Teilen bekannten oder sogar gänzlich unbekannten Kontextes zu sehen, zu „lesen”und zu verstehen. Daher ist es nie verkehrt, wenn auch der Betrachter eines Fotos stets neugierig, selbstkritisch und offen ist. Letztendlich ist das Interpretieren und Bewerten bestenfalls ein auf ästhetischen, inhaltlichen und emotionalen Kriterien basierender subjektiver Prozess im Rahmen bestimmter Erwartungen. Im schlechtesten Fall ist es ein abwertendes Nichtverstehen des Fotos. |
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Eine Fehlinterpretation kann weitreichende Folgen haben für den Fotografen und den Betrachter. Während es für den Fotografen oder die Institution, die mit einem Foto eine Wirkung oder Botschaft erreichen möchte [oder wollte], nicht gänzlich unproblematisch ist, dass die beabsichtigte Aussage nicht ankommt, kann für den Betrachter problematisch sein, Informationen nicht zu erkennen oder Motive falsch zu interpretieren. Emotionen werden fehlgeleitet, die Realität wird verzerrt. |
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Ist dem Fotografen sein Foto als Kunst[form] oder die Wirkung seines Fotos oder die Aussage in seinem Foto wichtiger als jegliche Kriterien und Erwartungen anderer, müssen seine [letztlich dann allerdings doch vorrangige] Maßgabe und die [letztlich dann allerdings doch nachrangige] Interpretation des Betrachters keineswegs zusammenfinden. Bei einem Foto als Kunst oder Dokumentation ist das dann halt so, weil bei solchen Fotos eh immer gilt: de gustibus non est disputandum |
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| © JÜRGENLANG. ONLINE SEIT 1996. |